Finn Dochhan

UX, Web & Grafik Design

»Project Elephant«

»Was wäre, wenn es ein ambientes, intelligentes System gäbe, das in der Lage ist, erinnerungswerte Momente in meinem Leben voll automatisch zu erkennen, festzuhalten und zu konservieren?«

Projektziel, Strategie & Nutzerbenefit

Im Wintersemester 2012/2013 beschäftigte sich unsere studentische Projektgruppe an der Hochschule Darmstadt im Studiengang Digital Media – Interactive Media Design im 5. Semester mit genau dieser Frage. Im Kontext des Semesterthemas "Entwicklung eines interaktiven, medialen Systems, unter Verwendung von Ideen, Methoden und Technologien von Ambient Intelligence (AmI)" entstand die Idee und das Konzept zu »Project Elephant«.

Mithilfe eines Prototyps wurden in mehreren Experimenten die Möglichkeiten und Grenzen eines solchen Systems untersucht und ausgewertet.

»Project Elephant« ist ein intelligentes System aus Sensoren und Auswertungsinstrumenten für Eventplaner und Locations und ihre Kunden. Das System erkennt automatisch besondere Momente eines Events, die für die Gäste wertvoll sind und von denen sie eine lebendige Erinnerung behalten möchten.

»Project Elephant« ergänzt zudem die Arbeit von Event-Fotografen. Es bietet einen umfassenden Überblick über ein gesamtes Event. Das System besteht aus einer Vielzahl von Sensoren die feststellen und Aufnahmegeräte wie wie Kameras und Soundrecorder triggern. Dei eingefangenen Daten wie Fotos, Videos und Sounds werden in einer Datenbank gespeichert und analysiert und evaluiert, ausgewertet und vom System bewertet. Nach diesem Prozess präsentiert das System das aufbereitete Material auch einer Plattform, auf die Benutzer zugreifen können.

Szenario

Eine Gruppe Menschen wird von einem Sensorensystem umgeben. Das System reagiert auf ungewöhnliche Situationen, die im Laufe der Zeit auftreten. Obligatorisch für das System sind Gesten und Mimik der Nutzer, sowie die Gesamtlautstärke die entsteht. Diese Aufgaben können durch Kamera- oder Trackingsysteme (z. B. Kinect) und Mikrofone bewältigt werden. In manchen Situationen macht es ebenfalls Sinn mit Sensoren wie Druck, Wärme oder Luftfeuchtigkeitmessern zu arbeiten, um Differenzen zu erfassen, die von der Gruppe ausgelöst werden. Ein Szenario dafür ist eine Discothek mit tanzenden oder umherspringenden Leuten. Das Kamerasystem nimmt permanent Bild und Tonmaterial auf. Sobald ein Sensor einen gesetzten Grenzwert überschreitet, löst das System aus und speichert anschließend alle Sensorwerte zu diesem Zeitpunkt inklusive Timestamp ab. Der Timestamp ermöglicht es aus den Videos Bilder, Clips oder Tonspuren zu extrahieren. Mit Hilfe aller Sensordaten lassen sich durch gesetzte Prioritäten auf bestimmte Parameter ein Ranking des Footages errechnen. Alle Informationen und Daten werden in einer Datenbank auf einem Webserver gespeichert. Nach diesem Vorgang sind alle Daten wieder "live" für die Gruppe verfügbar. Das heist das fast echtzeitgetreue Anzeigen der erfassten Momente am Veranstaltungsort und gleichermaßen das nachträgliche Betrachten in einem Webinterface sind möglich. Es ist außerdem möglich digitale und analoge Produkte zu verkaufen die Ergebnisse des Systems beinhalten. Ein weiterer interessanter Punkt sind Statistiken die sowohl in Echtzeit für den Benutzer abrufbar sind als auch für einen Veranstalter um im Nachhinein das Gastverhalten zu analysieren.

Annäherung an die Kernfrage durch Tests: Was sind erhaltenswerte Momente und wie ermittelt man diese?

Team

Das gesamte Team war lateral organisiert, d.h. die Sub-Teams existierten und arbeiteten neben- und miteinander. Um einen zufriedenstellenden Projektfortschritt sicherstellen zu können, wurde für das Delegieren und Protokollieren von allen Aufgaben ein Ticketing-System eingesetzt. Die Projektleitung wurde nach Absprache an ein Teammitglied übergeben. Ein Teamleiter war aufgrund der kleinen Größe der Teams noch nicht erforderlich. Das Team wurde jedoch in kleinere Sub-Teams aufgeteilt, die parallel verschiedene Aufgaben bearbeiten konnten. Dazu gab es Meetings zur gegenseitigen Absprache. Der Workflow war eine Mischung aus Scrum (Iterationen und Meetings) und Kanban (Visualisierung des WIP).

Prototyp der Plattform für den Endkunden

Fazit

Bei diesem Projekt war für mich die Auseinandersetzung mit der Wirkung von Emotionen und wie diese im Bereich des UX-Designs im Allgemeinen und speziell in unserem Projekt Anwendung finden sehr lehrreich. Neben dem gezielten Erzeugen von Emotionen, beispielsweise über Stories, war aber auch die andere Seite, also das Erkennen und das korrekte Interpretieren von Emotionen in unserem Projekt ein zentrales Thema. Die hierbei vorhandenen Möglichkeiten und Grenzen durch Recherchen und eigene Experimente herauszufinden, war eine spannende, zunächst ungewohnte Herangehensweise. Diese komplett andere Arbeitsweise an einem Experiment mit unbekanntem Ausgang stand das eine oder andere Mal dem Ziel, schon von Anfang an ein marktfähiges Produkt „im Kopf“ entstehen zu lassen, im Weg und es mussten einige Kompromisse eingegangen werden. Aber es gab auch zahlreiche „Aha“-Erlebnisse, die gezeigt haben, dass wenn man sich bewusst gegen etwas entscheidet, man sich auch gleichzeitig für etwas anderes entscheidet. Es gab also einige neue Erkenntnisse sowohl während der recht langen Konzeptphase, als auch während der Implementierung. Grundsätzliche Fragen wie „Wie funktioniert die Interaktion mit einem ambienten, intelligenten System überhaupt?“ haben für viel Nachdenk- und Redebedarf gesorgt.

Kunde
Studienprojekt

Jahr
2013

Leistungen
Mitarbeit an der Idee
Mitarbeit am Konzept
Mitarbeit an der Informationsarchitektur (33%)
Mitarbeit am Interaktionsdesign (33%)
Mitarbeit am Interface- & Navigationsdesign (33%)
Mitarbeit am visuellen Design (33%)
Mitarbeit an der interaktiven Dokumentation